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Ausblick

Theorie zum Ausschalten von RL-Kreisen

Die in einem physikalischen Experiment gewonnen Messwerte können nur dann sinnvoll ausgewertet werden, wenn der Typ der mathematischen Funktion bekannt ist, durch die die Abhängigkeiten zwischen den relevanten Größen beschrieben werden kann. Aus prinzipiellen Gründen kann der Typ dieser Funktion aber niemals experimentell, sondern nur durch theoretische Überlegungen bestimmt werden. Diese werden für das Ausschalten eines Stromkreises mit einem Widerstand und einer Spule im Folgenden durchgeführt.

Eine Spule mit der Induktivität \(L\) und ein Widerstand der Größe \(R\) sind in Reihe geschaltet; eine solche Reihenschaltung von Spule und Widerstand bezeichnet man kurz als einen RL-Kreis. Über einen Wechselschalter S kann an diesen RL-Kreis entweder eine Elektrische Quelle mit der Nennspannung \({U_0}\) angeschlossen (gestrichelte Leitung) oder aber der RL-Kreis kurzgeschlossen (durchgezogene Leitung) werden.

Ist die Elektrische Quelle angeschlossen, so fließt nach genügend langer Zeit im Stromkreis ein konstanter Strom der Stärke \(I_0=\frac{{\left| {{U_0}} \right|}}{R}\) (vgl. hierzu die Theorie zum Einschalten von RL-Kreisen).

Wird die Elektrische Quelle abgetrennt und gleichzeitig damit ein Kurzschluss im Stromkreis hergestellt, so kann der fließende Strom "zusammenbrechen", wobei der Stromfluss durch den Widerstand begrenzt wird. Das Abtrennen der Elektrischen Quelle und das sich daraus ergebende Verhalten des RL-Kreises bezeichnet man als Ausschaltvorgang des RL-Kreises.

Nach der KIRCHHOFF'schen Maschenregel gilt nun zu jedem Zeitpunkt \(t\) des Ausschaltvorgangs die Gleichung
\[{U_R}(t) + {U_L}(t) = 0\]
Mit \({U_R}(t) = R \cdot I(t)\) (OHM'sches Gesetz; \(I(t)\): Stromstärke im Stromkreis während des Ausschaltvorgangs) und \({U_L}(t) = L \cdot \dot I(t)\) (Gesetz für die Induktionsspannung; \(\dot I(t)\): Änderung der Stromstärke im Stromkreis während des Ausschaltvorgangs) ergibt sich
\[R \cdot I(t) + L \cdot \dot I(t) = 0\]
Dividiert man beide Seiten der Gleichung durch \(L\) und vertauscht die beiden Summanden auf der linken Seite der Gleichung, so erhält man
\[\dot I(t) + \frac{R}{L} \cdot I(t) = 0\]
Dies ist - zusammen mit der Anfangsbedingung \(I(0\rm{s}) = \frac{{\left| {{U_0}} \right|}}{R}\) - die Differentialgleichung für die Stromstärke \(I(t)\) im RL-Kreis während des Ausschaltvorgangs. Die Größe \(\tau  = \frac{L}{R}\) heißt Zeitkonstante.

Bei der oben aufgestellten Differentialgleichung handelt es sich um eine sogenannte homogene Differentialgleichung 1.Ordnung. Die Mathematik liefert uns als Lösung dieser Differentialgleichung die Funktion
\[I(t) = \frac{{\left| {{U_0}} \right|}}{R} \cdot {e^{ - \frac{R}{L} \cdot t}}\]
Somit beschreibt die Funktion \(I(t)\) den zeitlichen Verlauf der Stromstärke im RL-Kreis während des Ausschaltvorgangs.

Stromstärke im Stromkreis

  1. Zeige, dass die Funktion \(I(t)\) die Differentialgleichung erfüllt. Leite dazu die Funktion \( I(t)\) ab, setze \(\dot I(t)\) und \( I(t)\) in die Differentialgleichung ein und fasse schließlich so weit zusammen, dass eine wahre Aussage entsteht.

  2. Zeige, dass die Funktion \(I(t)\) die Anfangsbedingung \(I(0) = \frac{{\left| {{U_0}} \right|}}{R}\) erfüllt.

  3. Bestimme den Grenzwert \(\mathop {\lim }\limits_{t \to \infty } I(t)\).

  4. Erstelle den Graph der Funktion \(I(t)\) für \(R = 10\Omega \), \(L = 5{\rm{H}}\) und \(\left| {{U_0}} \right| = 10{\rm{V}}\) und beschreibe den Verlauf des Graphen unter physikalischen Gesichtspunkten. Berücksichtige dabei auch die Ergebnisse der Aufgabenteile b) und c).

  5. Zeige, dass nach der Zeit \(t = \tau \) die Stromstärke in der Schaltung auf ca. \(37\% \) der ursprünglichen Stromstärke abgefallen ist.

  6. Berechne die Zeit \({t_{\rm{H}}}\), nach der die Stromstärke auf die Hälfte der ursprünglichen Stromstärke abgefallen ist.

Spannung über der Spule

  1. Zeige mit Hilfe des Zusammenhangs \({U_L}(t) = L \cdot \dot I(t)\), dass die Funktion \( {U_L}(t)=- \left| {{U_0}} \right| \cdot {e^{ - \frac{R}{L} \cdot t}}\) den zeitlichen Verlauf der Spannung über der Spule während des Ausschaltvorgangs beschreibt.

  2. Berechne die Spannung über der Spule zum Zeitpunkt \(t=0\rm{s}\).

  3. Bestimme den Grenzwert \(\mathop {\lim }\limits_{t \to \infty } {U_L}(t)\).

  4. Erstelle den Graph der Funktion \({U_L}(t)\) für \(R = 10\Omega \), \(L = 5{\rm{H}}\) und \(\left| {{U_0}} \right| = 10{\rm{V}}\) und beschreibe den Verlauf des Graphen unter physikalischen Gesichtspunkten. Berücksichtige dabei auch die Ergebnisse der Aufgabenteile b) und c).

  5. Zeige, dass nach der Zeit \(t = \tau \) die Spannung über der Spule nur noch ca. \(37\% \) der ursprünglichen Spannung beträgt. 

  6. Berechne die Zeit \({t_{\rm{H}}}\), nach der die Spannung über der Spule auf die Hälfte der ursprünglichen Spannung abgefallen ist.

Spannung über dem Widerstand

  1. Zeige mit Hilfe des Zusammenhangs \({U_R}(t) = R \cdot I(t)\), dass die Funktion \({U_R}(t) = \left| {{U_0}} \right| \cdot {e^{ - \frac{R}{L} \cdot t}}\) den zeitlichen Verlauf der Spannung über dem Widerstand während des Einschaltvorgangs beschreibt.

  2. Berechne die Spannung über dem Widerstand zum Zeitpunkt \(t=0\rm{s}\).

  3. Bestimme den Grenzwert \(\mathop {\lim }\limits_{t \to \infty } {U_R}(t)\).

  4. Erstelle den Graph der Funktion \({U_R}(t)\) für \(R = 10\Omega \), \(L = 5{\rm{H}}\) und \(\left| {{U_0}} \right| = 10{\rm{V}}\) und beschreibe den Verlauf des Graphen unter physikalischen Gesichtspunkten. Berücksichtige dabei auch die Ergebnisse der Aufgabenteile b) und c).

  5. Zeige, dass nach der Zeit \(t = \tau \) die Spannung über dem Widerstand nur noch ca. \(37\% \) der ursprünglichen Spannung beträgt. 

  6. Berechne die Zeit \({t_{\rm{H}}}\), nach der die Spannung über dem Widerstand auf die Hälfte der ursprünglichen Spannung abgefallen ist.

Leistung am Widerstand

  1. Bestimme mit Hilfe des Zusammenhangs \(P_R = U_R \cdot I_R = R \cdot {I^2}\) den Funktionsterm der Funktion \(P_R(t)\), die den zeitlichen Verlauf der elektrischen Leistung, die im OHM'schen Widerstand während des Ausschaltvorgangs in Wärme umgewandelt wird, beschreibt.

  2. Berechne die am Widerstand abgegebene Leistung zum Zeitpunkt \(t=0\rm{s}\).

  3. Bestimme den Grenzwert \(\mathop {\lim }\limits_{t \to \infty } {P_R}(t)\).

  4. Erstelle den Graph der Funktion \(P(t)\) für \(R = 10\Omega \), \(L = 5{\rm{H}}\) und \(\left| {{U_0}} \right| = 10{\rm{V}}\) und beschreibe den Verlauf des Graphen unter physikalischen Gesichtspunkten. Berücksichtige dabei auch die Ergebnisse der Aufgabenteile b) und c).

Leistung der Spule (mathematisch anspruchsvoll, aber lösbar)

  1. Bestimme mit Hilfe des Zusammenhangs \(P_L = U_L \cdot I\) den Funktionsterm der Funktion \(P_L(t)\), die den zeitlichen Verlauf der elektrischen Leistung, die von der Spule während des Ausschaltvorgangs abgegeben wird, beschreibt.

  2. Berechne die von der Spule abgegebene Leistung zum Zeitpunkt \(t=0\rm{s}\).

  3. Bestimme den Grenzwert \(\mathop {\lim }\limits_{t \to \infty } {P_L}(t)\).

  4. Erstelle den Graph der Funktion \(P_L(t)\) für \(R = 10\Omega \), \(L = 5{\rm{H}}\) und \(\left| {{U_0}} \right| = 10{\rm{V}}\) und beschreibe den Verlauf des Graphen unter physikalischen Gesichtspunkten. Berücksichtige dabei auch die Ergebnisse der Aufgabenteile b) und c).

  5. Bestimme mit Hilfe des Zusammenhangs \(P(t) = \frac{{dW(t)}}{{dt}}\) bzw. \(W(t) = \int\limits_0^t {dW(t) = } \int\limits_0^t {P(t)dt} \) rechnerisch die Gesamtenergie \({E_{\rm{Spule}}} = \mathop {\lim }\limits_{t \to \infty } {W_L}(t)\), die von der Spule während des gesamten Ausschaltvorgangs abgegeben wird.