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Ausblick

Astronomische Uhr

Astronomische Uhren sind Meisterwerke der mittelalterlichen Uhrmacherkunst. Es gibt in Europa einige wunderbare noch funktionierende Exemplare.
Rechts ist die astronomische Uhr an der Außenseite des alten Prager Rathaus.

Die astronomischen Uhren geben Auskunft über

Ortszeit (und mitteleuropäische Zeit)
Sternentag
Stand der Sonne im Tierkreis
Beginn der Jahreszeiten
Datum (Tag und Monat)
Sonnenstand sowie Sonnenauf- und untergang
Mondstand sowie Mondauf- und untergang
siderischen und synodischen Monat
Mondphase
Sonnen- und Mondfinsternisse
Auf- bzw. absteigender Mondknoten (drakonitischen Monat)

Astronomisches Zifferblatt am Rathausturm des alten Prager Rathaus.
von Godot13 [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons
 
Das rechte Bild eines Astrolabs stammt von Roland Wyss, Lehrer an der Uhrmacherschule in Solothurn, der diese Uhr gebaut hat. Die Funktion der einzelnen Zeiger und Scheiben, hier gekürzt wiedergegeben:

Glaszifferblatt mit Horizont
Die vorderste Ebene ist eine Glasscheibe mit dem Horizont, den Wendekreisen und der grossen Uhr, das heisst einer 24 Stunden- Einteilung (zwei mal 12 Stunden). Der innerste Kreis ist der Wendekreis des Steinbocks (kürzester Tag), der äusserste Kreis ist der Wendekreis des Krebses (längster Tag) und in der Mitte befindet sich der Aequator, auf dem die Sonne bei Tag- und Nachtgleiche läuft.

Die Datumscheibe mit Tierkreis
Die Datumscheibe mit dem Tierkreis stellt den Sternenhimmel dar. Auf dem aussenliegenden Datumring kann mit dem Sonnenzeiger das Datum abgelesen werden. Die Datumscheibe macht in 23h 56m 3,45s eine Umdrehung oder eine Umdrehung mehr als die Sonne in 365d 5h 48m 49,028s.

Der Sonnenzeiger
Der Sonnenzeiger macht eine Umdrehung in 24 Stunden. Am äusseren Ende kann man die Ortszeit auf der grossen Uhr ablesen. Die Sonne zeigt ihren Stand im Tierkreis an, den sie einmal im Jahr durchläuft. Täglich überschreitet die Sonne morgens und abends die Horizontlinie und zeigt damit Auf- und Untergang an. Der Sonnenzeiger zeigt auf dem Datumring den Tag und den Monat an. Der Datumring ist in 365 ¼ Tage eingeteilt.

Astrolab von Roland Wyss , Uhren- Restaurationstechniker und Fachlehrer am Zeit Zentrum Uhrmacherschule, Solothurn
Der Mondzeiger
Für eine Drehung braucht der Mondzeiger 24h 48m 46.8s. Die Mondkugel läuft auf der Ekliptik und zeigt den jeweiligen Stand im Tierkreis. Ein Umlauf durch den Tierkreis dauert 27d 7h 43m 4,7s. Dies ist der siderische Monat. Bis die Sonne den Mond einmal eingeholt hat (z. B. von Neumond zu Neumond) dauert es 29d 12h 44m 2,823s ,der synodischer Monat . Die Mondkugel dreht sich um ihre Achse. Die Drehung des Mondes geschieht in Bezug auf den Sonnenzeiger. Die Mondkugel ist zur Hälfte schwarz gefärbt. Bei Konjunktion des Mondes mit der Sonne ist nur die schwarze Hälfte der Kugel sichtbar (Neumond), bei Opposition ist die helle Hälfte zu sehen (Vollmond). So entspricht der sichtbare helle Teil jeweils der Mondphase.

Der Drachenzeiger
Der Drachenzeiger zeigt, in welchen Punkten sich die Mondbahnebene mit der Ekliptik (Erdbahnebene) schneidet. Die Kenntnis dieser beiden Punkte dient dem Erkennen von Sonnen- und Mondfinsternissen. Wenn Sonnen-, Mond- und Drachenzeiger gleichzeitig in einer Linie stehen, wird die Mondfinsternis bei Vollmond und die Sonnenfinsternis bei Neumond angezeigt. Der Drachenzeiger bewegt sich mit der beinahe gleichen Geschwindigkeit wie der Tierkreis, macht jedoch in 18,6134 Jahren eine Umdrehung mehr .
Im Jahr 1581 wurde die rechts abgebildete Uhr am Ulmer Rathaus vom seinerzeit bedeutendsten Großuhrmacher, Isaak Habrecht aus Straßburg fertig gestellt. Sie beeindruckt durch die prächtige und detailgenaue Gestaltung des Tierkreisrings, der Zeiger und des Ziffernblatts. Auf den zweiten Blick besticht sie jedoch fast noch mehr durch ihre Funktionsweise und die Vielzahl der Informationen, die sie anzuzeigen vermag.
Astronomische Uhr am Ulmer Rathaus.
von Joachim Köhler [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons