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Versuche

MILLIKAN-Versuch - Schwebe-Fall-Methode (Simulation)

millikan-versuch-aufbau-foto.jpg © von Stefan Pohl in der Wikipedia auf Deutsch (selbst fotografiert) [Public domain], vom Wikimedia Commons
Abb. 1 In der Schule üblicher Aufbau des MILLIKAN-Versuchs

Der nach dem amerikanischen Physiker Robert Andrews MILLIKAN (1868 - 1953) benannte MILLIKAN-Versuch ist nicht nur von großer historischer Bedeutung für die Physik (vgl. Geschichte der Bestimmung der Elementarladung), sondern auch einer der zentralen Versuche des Physikunterrichts in der Oberstufe.

Obwohl der prinzipielle Versuchsaufbau relativ einfach ist, sind sowohl die Versuchsdurchführung als auch die theoretischen Überlegungen, die für die Auswertung benötigt werden, teilweise recht komplex. Aus diesem Grund bieten wir auf LEIFIphysik vier verschiedene Methoden der Durchführung einschließlich der jeweiligen Theorie an. Zu jeder Methode gibt es eine angepasste Simulation sowie weitere Hilfsmittel. Mit Hilfe der Simulation können dann selbstständig "Messwerte" aufgenommen und diese dann ausgewertet werden.

Aufbau

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Abb. 2 Skizze des prinzipiellen Aufbaus des MILLIKAN-Versuchs

Der prinzipielle Aufbau des MILLIKAN-Versuchs ist recht einfach; er besteht aus einem horizontal liegenden Plattenkondensator mit dem Plattenabstand \(d\), an den eine elektrische Quelle angeschlossen ist. Die elektrische Quelle kann sowohl ein- und ausgeschaltet als auch umgepolt werden, die angelegte Spannung \(U\) ist regelbar und wird mit einem Voltmeter gemessen. Der Raum zwischen den Platten kann mit einer Lampe beleuchtet und mit einem Mikroskop beobachtet werden; darin eingeblendet ist eine Skala, in der die einzelnen Skalenstriche den Abstand \(s\) haben. In das Innere des Plattenkondensators können mit einem Zerstäuber kleine Öltröpfchen gesprüht werden, die sich durch die Reibung aufladen und deren Bewegung mit Hilfe des Mikroskops beobachtet werden kann. Schließlich benötigt man eine Stoppuhr zur Zeitmessung.

Hinweis: Durch die Beobachtung des Raums zwischen den Platten durch das Mikroskop werden oben und unten vertauscht; bewegt sich also ein Öltröpfchen in der Realität z.B. zwischen den Platten nach unten zur Erde hin, so beobachtet man im Mikroskop eine Bewegung des Öltröpfchens nach oben.

Theorie der Schwebe-Fall-Methode

Bei der Schwebe-Fall-Methode wird ein Öltröpfchen

zuerst durch Anlegen einer Spannung in der Schwebe hehalten (Schweben im elektrischen Feld) und

dann ohne angelegte Spannung ‚frei’ fallen gelassen (Fallen ohne elektrisches Feld).

Wie im Folgenden gezeigt wird lässt sich dann durch Messung der anliegenden Spannung beim Schweben und der Geschwindigkeit des Tröpchens beim Fallen dessen Ladung bestimmen.

Auf ein elektrisch geladenes Öltröpfchen in der Versuchsanordnung des MILLIKAN-Versuchs können die folgenden Kräfte wirken:

Gewichts- und Auftriebskraft

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Abb. 3 Richtungen von Gewichts- und Auftriebskraft sowie reduzierter Gewichtskraft

Da sich die Versuchsanordnung im Gravitationsfeld der Erde befindet, wirkt auf das Öltröpfchen stets die Gewichtskraft \(F_{\rm{G}} = m \cdot g\) (\(m\): Masse des Tröpfchens; \(g\): Erdbeschleunigung) nach unten. Die Masse \(m\) des kugelförmigen Öltröpfchens kann man mit Hilfe der bekannten Formeln \(m = \rho  \cdot V\) und \(V_{\rm{Kugel}} = \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3}\) durch \(m = \rho _{\rm{Öl}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3}\) ausdrücken, so dass sich für die Gewichtskraft \(F_{\rm{G}} = \rho _{\rm{Öl}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g\) (\(\rho _{\rm{Öl}}\): Dichte von Öl; \(r\): Radius des Tröpfchens; \(g\): Erdbeschleunigung) ergibt.

Da sich weiter zwischen den Kondensatorplatten Luft befindet, wirkt auf das Öltröpfchen zusätzlich stets die Auftriebskraft \(F_{\rm{A}} = \rho _{\rm{Luft}} \cdot V \cdot g\) (\(\rho _{\rm{Luft}}\): Dichte von Luft; \(V\): Volumen des Tröpfchens; \(g\): Erdbeschleunigung) nach oben. Auch hier kann man das Volumen des Öltröpfchens mit Hilfe seines Radius ausdrücken, so dass sich für die Auftriebskraft \(F_{\rm{A}} = \rho _{\rm{Luft}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g\) (\(\rho _{\rm{Luft}}\): Dichte von Luft; \(r\): Radius des Tröpfchens; \(g\): Erdbeschleunigung) ergibt.

Obwohl die Auftriebskraft \(F_{\rm{A}}\) gegenüber der Gewichtskraft \(F_{\rm{G}}\) sehr klein ist und eigentlich vernachlässigt werden kann (vgl. untenstehende Aufgabe), wird häufig mit einer um die Auftriebskraft reduzierten Gewichtskraft \(F_{\rm{G'}} = F_{\rm{G}} - F_{\rm{A}}\) gerechnet; man erhält dann (\(\rho ' = \rho _{\rm{Öl}} -\rho _{\rm{Luft}}\): reduzierte Dichte; \(r\): Radius des Tröpfchens; \(g\): Erdbeschleunigung)\[F_{\rm{G'}} = \rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g\]

Aufgabe

Berechne für einen Tröpfchenradius von \(r = 5{,}00 \cdot {10^{ - 7}}\,{\rm{m}}\), \({\rho _{{\rm{Öl}}}} = 875{,}3\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}\) und \({\rho _{\rm{Luft}}} = 1{,}29\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}\) die Beträge von Gewichtskraft \(F_G\), Auftriebskraft \(F_A\) und reduzierter Gewichtskraft \(F_{\rm{G'}}\).

Lösung

\[{F_{\rm{G}}} = \rho _{\rm{Öl}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g \Rightarrow {F_{\rm{G}}} = 875{,}3\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {\left( {5{,}00 \cdot {{10}^{ - 7}}\,{\rm{m}}} \right)^3} \cdot 9{,}81\,\frac{{\rm{m}}}{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}} = 4{,}49 \cdot {10^{ - 15}}\,{\rm{N}}\] \[{F_{\rm{A}}} = {\rho _{{\rm{Luft}}}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g \Rightarrow {F_{\rm{A}}} = 1{,}29\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {\left( {5{,}00 \cdot {{10}^{ - 7}}\,{\rm{m}}} \right)^3} \cdot 9{,}81\,\frac{{\rm{m}}}{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}} = 6{,}63 \cdot {10^{ - 18}}\,{\rm{N}}\] \[{F_{\rm{G'}}} = \rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g \Rightarrow {F_{\rm{G'}}} = \left( 875{,}3-1{,}29\right)\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {\left( {5{,}00 \cdot {{10}^{ - 7}}\,{\rm{m}}} \right)^3} \cdot 9{,}81\,\frac{{\rm{m}}}{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}} = 4{,}48 \cdot {10^{ - 15}}\,{\rm{N}}\]

Begründe durch eine Rechnung, dass unabhängig von allen anderen Größen für \(\rho _{\rm{Öl}} = 875{,}3\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}\) und \({\rho _{\rm{Luft}}} = 1{,}29\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}\) die Vernachlässigung des Auftriebs ungefähr \(0{,}1\%\) Ungenauigkeit bedeutet.

Lösung

\[p\% = \frac{{{\rho _{{\rm{Öl}}}}}}{{{\rho _{{\rm{Öl}}}} - {\rho _{{\rm{Luft}}}}}} = \frac{{875{,}3\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}}}{{875{,}3\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}} - 1{,}29\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}}} = 1{,}001 = 100{,}1\% =100\% + 0{,}1\%\]

Elektrische Kraft

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Abb. 4 Richtung der elektrischen Kraft auf ein negativ geladenes Öltröpfchen in Abhängigkeit von der Polung des Plattenkondensators

Liegt an den Platten des Kondensators eine Spannung \(U\) an, so wirkt auf ein geladenes Öltröpfchen die elektrische Kraft \({F_{\rm{el}}} = q \cdot E\) (\(q\): Ladung des Tröpfchens; \(E\): Elektrische Feldstärke zwischen den Kondensatorplatten). Die elektrische Feldstärke \(E\) kann man mit Hilfe der Kondensatorformel \(E = \frac{U}{d}\) ersetzen, so dass sich für die elektrische Kraft ergibt (\(q\): Ladung des Tröpfchens; \(U\): Spannung an den Kondensatorplatten; \(d\): Plattenabstand)\[{F_{{\rm{el}}}} = q \cdot \frac{U}{d}\]

Da die Platten horizontal angeordnet sind, sind die elektrische Kraft und die Gewichtskraft stets parallel gerichtet. Durch Umpolen der an den Kondensator angeschlossenen elektrischen Quelle kann die elektrische Kraft nach oben oder nach unten wirken.

Aufgabe

Durch vorhergegangene Experimente wusste MILLIKAN, dass die Öltröpfchen im Kondensator Ladungen in der Größenordnung von ca. \(1 \cdot {10^{ - 19}}\,{\rm{As}}\) tragen.

Berechne für einen Plattenabstand von \(d = 6{,}00 \cdot {10^{ - 3}}\,{\rm{m}}\) und die oben berechnete reduzierte Gewichtskraft \(F_{\rm{G'}}\), welche Spannung \(U\) an den Kondensatorplatten anliegen muss, um ein Öltröpfchen gegen die reduzierte Gewichtskraft in der Schwebe zu halten.

Lösung

\[F_{\rm{el}} = F_{\rm{G'}} \Leftrightarrow q \cdot \frac{U}{d} = F_{\rm{G'}} \Leftrightarrow U = \frac{{F_{\rm{G'}} \cdot d}}{q}\] Einsetzen der gegebenen Werte liefert \[U = \frac{{4{,}48 \cdot {{10}^{ - 15}}\,{\rm{N}} \cdot 6{,}00 \cdot {{10}^{ - 3}}\,{\rm{m}}}}{{1 \cdot {{10}^{ - 19}}\,{\rm{As}}}} = 269\,{\rm{V}}\]

STOKESsche Reibungskraft

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Abb. 5 Richtung der STOKESschen Reibungskraft in Abhängigkeit von der Bewegungsrichtung des Öltröpfchens

Bewegt sich das Öltröpfchen durch die Luft im Kondensator, so wirkt auf das Öltröpfchen die STOKESsche Reibungskraft\[{F_{\rm{R}}} = 6 \cdot \pi \cdot \eta \cdot r \cdot v\](\(\eta\): Zähigkeit der Luft; \(r\): Radius des Tröpfchens; \(v\): Geschwindigkeit des Tröpfchens) (Gesetz von STOKES, George Gabriel STOKES (1819 - 1903)). Diese ist eine aus der Strömungslehre für laminare Strömungen bekannte Kraft auf kugelförmige Körper in einem ‚zähen’ Medium mit der Zähigkeit \(\eta\), die stets der Bewegungsrichtung des Körpers entgegen wirkt. Die Kraft wächst zudem mit der Geschwindigkeit und zwar so lange, bis sich der Körper nur noch mit konstanter Geschwindigkeit bewegt (vgl. untenstehende Aufgabe).

Beim Zerstäuben von Öl erhält man allerdings so kleine Kugeln, dass der Radius der beobachteten Tröpfchen in der gleichen Größenordnung liegt wie die mittlere freie Weglänge der Luftmoleküle und das Gesetz von STOKES nur noch bedingt gilt. Die Tröpfchen bewegen sich nicht wie Kugeln durch eine Front von Luftmasse, sondern manövrieren sich zwischen den Luftmolekülen hindurch und erfahren durch Stöße mit einzelnen Molekülen Bremskräfte. Der mittlere Abstand der Luftmoleküle beträgt etwa \({10^{ - 7}}{\rm{m}}\), was in der Größenordnung des Tröpfchenradius liegt. Erstaunlicherweise lässt sich diese Situation durch die sogenannte CUNNINGHAM-Korrektur, die im Jahr 1910 vom britischen Mathematiker Ebenezer CUNNINGHAM (1881 - 1977) abgeleitet wurde, pauschal erfassen, indem man einen Korrekturfaktor für die Zähigkeit der Luft berechnet. Als Erfahrungswert erhält man für die korrigierte Zähigkeit von Luft für Raumtemperatur und Normaldruck \(\eta ' = \frac{\eta }{{\left( {1 + \frac{{6{,}25 \cdot {{10}^{ - 8}}\,{\rm{m}}}}{r}} \right)}}\) (\(r\): Radius des Tröpfchens). Je kleiner also die Tröpfchen sind, desto größer ist die Abweichung vom STOKESschen Gesetz (vgl. untenstehende Aufgabe). Wie man die CUNNINGHAM-Korrektur auf die konkreten Messwerte anwendet wird weiter unten gezeigt.

Aufgabe

Begründe durch eine Rechnung, dass für \({\eta _{{\rm{Luft}}}} = 1{,}81 \cdot {10^{ - 5}}\,\frac{{{\rm{N}} \cdot {\rm{s}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}}\) und einem Tröpfchenradius von \(r = 5{,}00 \cdot {10^{ - 7}}\,{\rm{m}}\) der Korrekturfaktor in der CUNNINGHAM-Korrektur ca. \(0{,}89\) beträgt und sich damit \(\eta ' = 1{,}61 \cdot {10^{ - 5}}\,\frac{{{\rm{N}} \cdot {\rm{s}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}}\) ergibt.

Lösung

\[\frac{1}{{\left( {1 + \frac{{6{,}25 \cdot {{10}^{ - 8}}\,{\rm{m}}}}{{5{,}00 \cdot {{10}^{ - 7}}\,{\rm{m}}}}} \right)}} \approx 0{,}89\]\[\eta ' = \frac{{1{,}81 \cdot {{10}^{ - 5}}\,\frac{{{\rm{N}} \cdot {\rm{s}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}}}}{{\left( {1 + \frac{{6{,}25 \cdot {{10}^{ - 8}}\,{\rm{m}}}}{{5{,}00 \cdot {{10}^{ - 7}}\,{\rm{m}}}}} \right)}} = 1{,}61 \cdot {10^{ - 5}}\,\frac{{{\rm{N}} \cdot {\rm{s}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}}\]

Beim Fall eines Öltröpfchens allein unter dem Einfluss der Gewichtskraft stellt sich nach kurzer Zeit ein Kräftegleichgewicht zwischen der Gewichtskraft und der STOKESschen Reibungskraft ein.

Berechne für \(r = 5{,}00 \cdot {10^{ - 7}}\,{\rm{m}}\), \(\eta ' = 1{,}61 \cdot {10^{ - 5}}\,\frac{{{\rm{N}} \cdot {\rm{s}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}}\) und die oben berechnete reduzierte Gewichtskraft \(F_{\rm{G'}}\), welche Geschwindigkeit \(v\) die Öltröpfchen beim Fallen erreichen.

Lösung

\[{F_{\rm{R}}} = {F_{{\rm{G'}}}} \Leftrightarrow 6 \cdot \pi \cdot \eta \cdot r \cdot v = {F_{{\rm{G'}}}} \Leftrightarrow v = \frac{{{F_{{\rm{G'}}}}}}{{6 \cdot \pi \cdot \eta \cdot r}}\]\[v = \frac{{4{,}48 \cdot {{10}^{ - 15}}\,{\rm{N}}}}{{6 \cdot \pi \cdot 1{,}61 \cdot {{10}^{ - 5}}\,\frac{{{\rm{N}} \cdot {\rm{s}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}} \cdot 5{,}00 \cdot {{10}^{ - 7}}\,{\rm{m}}}} = 2{,}95 \cdot {10^{ - 5}}\,\frac{{\rm{m}}}{{\rm{s}}}\]

Schweben im elektrischem Feld

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Abb. 6 Kräftegleichgewicht beim Schweben eines negativ geladenen Öltröpfchens im elektrischen Feld

Zuerst wird an die Kondensatorplatten eine Spannung \(U\) angelegt und so eingestellt, dass das Öltröpfchen schwebt (Schweben im elektrischen Feld). Für ein negativ geladenes Tröpfchen muss die obere Platte positiv und die untere Platte negativ geladen werden.

Auf das Tröpfchen wirkt

nach oben die elektrische Kraft \({{\vec F}_{{\rm{el}}}}\)

nach unten die (reduzierte) Gewichtskraft \({\vec F_{{\rm{G'}}}}\)

Da das Tröpfchen ruht (bzw. aufgrund der BROWNschen Bewegung etwas zittert), wirkt auf das Tröpfchen keine resultierende Kraft mehr und es herrscht folgendes Kräftegleichgewicht:

Die elektrische Kraft \({F_{{\rm{el}}}} = q \cdot \frac{U}{d}\) ist betragsgleich der (reduzierten) Gewichtskraft \(F_{\rm{G'}} = \rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g\):\[\begin{eqnarray} {{F_{\rm{G'}}}} &=& {{F_{\rm{el}}}} \\ \rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi  \cdot {r^3} \cdot g &=& q \cdot \frac{U}{d} \quad(1)\end{eqnarray}\]

Fallen ohne elektrisches Feld

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Abb. 7 Kräftegleichgewicht beim Fallen eines Öltröpfchens ohne elektrisches Feld

Nun wird die Spannung ausgeschaltet. Ohne angelegte Spannung fällt das Tröpfchen nach einer kaum beobachtbaren Beschleunigungsphase mit konstanter Geschwindigkeit \(\vec v\) nach unten. Auf das Tröpfchen wirkt

nach oben die der Bewegung entgegengerichtete STOKESsche Reibungskraft \({{\vec F}_{{\rm{R}}}}\)

nach unten die (reduzierte) Gewichtskraft \({\vec F_{{\rm{G'}}}}\).

Die STOKESsche Reibungskraft hat sich dabei so "eingestellt", dass auf das Tröpfchen keine resultierende Kraft mehr wirkt und folgendes Kräftegleichgewicht herrscht:

Die (reduzierte) Gewichtskraft \(F_{\rm{G'}} = \rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g\) ist betragsgleich der STOKESschen Reibungskraft \(F_{\rm{R}} = 6 \cdot \pi \cdot \eta \cdot r \cdot v\):\[\begin{eqnarray} F_{\rm{G'}} &=& F_{\rm{R}} \\ \rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g &=& 6 \cdot \pi \cdot \eta \cdot r \cdot v \quad(2)\end{eqnarray}\]

Herleitung der Formel für die Ladung des Tröpfchens

Durch Kombinieren der Gleichungen \((1)\) und \((2)\) (vgl. die untenstehende Aufgabe) erhält man für die gesuchte Ladung \(q\) die Formel\[q = \frac{{9 \cdot \sqrt {2 \cdot } \pi \cdot d}}{U}\sqrt {\frac{{{{\eta} ^3} \cdot {v}^3}}{{\rho' \cdot g}}} \quad(3)\]Die Größen \(\eta \), \(\rho'=\rho_{\text{Öl}} - \rho_{\text{Luft}}\) und \(g\) können aus Tabellen entnommen werden, die Größe \(d\) findet sich in den technischen Daten der Versuchsapparatur und die Größen \(U\) und \(v\) können gemessen werden, so dass sich nun die gesuchte Ladung \(q\) berechnen lässt.

Um eine höhere Genauigkeit zu erreichen muss der so berechnete Wert allerdings noch nach der Methode von CUNNINGHAM korrigiert werden. Dazu benutzt man Gleichung \((2.1)\) (vgl. die untenstehende Aufgabe)\[r = \sqrt {\frac{{9 \cdot \eta  \cdot v}}{{2 \cdot \rho ' \cdot g}}} \quad (2.1)\]zur Berechnung des Tröpfchenradius \(r\) und berechnet mit Hilfe des Terms (ohne Herleitung)\[{r_{{\rm{korrigiert}}}} = \sqrt {{r^2} + \frac{{{A^2}}}{4}}  - \frac{A}{2}\;;\;A = 6{,}25 \cdot {10^{ - 8}}\,{\rm{m}} \quad(4)\]den nach CUNNINGHAM korrigierten Radius \(r_{{\rm{korrigiert}}}\). Anschließend berechnet man mit diesem Wert und mit Hilfe des Terms (ohne Herleitung)\[{q_{{\rm{korrigiert}}}} = \frac{q}{{{{\left( {1 + \frac{A}{{{r_{{\rm{korrigiert}}}}}}} \right)}^{\frac{3}{2}}}}}\;;\;A = 6{,}25 \cdot {10^{ - 8}}\,{\rm{m}} \quad(5)\]die nach CUNNINGHAM korrigierte Ladung \(q_{{\rm{korrigiert}}}\).

Hinweis: Bei der folgenden Rechnung kann dir ein Computeralgebrasystem wie z.B. GeoGebra CAS gute Dienste leisten. Mit wenigen Befehlen kannst du die gesamte Rechnung online selbst durchführen. Die Lösung findest du hier.

Aufgabe

Herleitung der Formeln \((2.1)\) und \((3)\)

Löse Gleichung \((1)\) nach \(q\) auf. Die dadurch neu entstehende Gleichung sei Gleichung \((1.1)\).

Lösung

\[\begin{eqnarray} q \cdot \frac{U}{d} & = & \rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g\\q & = & \frac{{\rho' \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g \cdot d}}{U} \quad (1.1) \end{eqnarray}\]

Löse Gleichung \((2)\) nach \(r\) auf. Die dadurch neu entstehende Gleichung sei \((2.1)\).

Lösung

\[\begin{eqnarray}6 \cdot \pi \cdot \eta \cdot r \cdot {v} & = & {\rho'} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g\\ \frac{{9 \cdot \eta \cdot {v}}}{{2 \cdot {\rho'} \cdot g}} &=& {r^2}\\ r & = & \sqrt {\frac{{9 \cdot \eta \cdot {v}}}{{2 \cdot {\rho'} \cdot g}}} \quad(2.1)\end{eqnarray}\]

Ersetze die Größe \(r\) in Gleichung \((1.1)\) durch den gleichwertigen Term für \(r\) aus Gleichung \((2.1)\) und fasse die rechte Seite der neuen Gleichung so weit wie möglich zusammen. Es ergibt sich Gleichung \((3)\).

Lösung

\[\begin{eqnarray}q &=& \frac{{{\rho'} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {r^3} \cdot g \cdot d}}{U}\\&=& \frac{{{\rho'} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi \cdot {{\sqrt {\frac{{9 \cdot \eta \cdot {v}}}{{2 \cdot {\rho'} \cdot g}}} }^3} \cdot g \cdot d}}{U}\\&=& \frac{{{\rho'} \cdot \frac{4}{3} \cdot \pi }}{U} \cdot \frac{{9 \cdot \eta \cdot {v}}}{{2 \cdot {\rho'} \cdot g}} \cdot \sqrt {\frac{{9 \cdot \eta \cdot {v}}}{{2 \cdot {\rho'} \cdot g}}} \cdot g \cdot d\\&=& \frac{{6 \cdot \pi \cdot \eta \cdot {v} \cdot d}}{U} \cdot \sqrt {\frac{{9 \cdot \eta \cdot {v}}}{{2 \cdot {\rho'} \cdot g}}} \\&=& \frac{{3 \cdot {{\sqrt 2 }^2} \cdot \pi \cdot \sqrt {{{\eta} ^2}} \cdot \sqrt {{v}^2} \cdot d}}{U} \cdot \frac{3}{{\sqrt 2 }}\sqrt {\frac{{\eta \cdot {v}}}{{\rho' \cdot g}}} \\&=& \frac{{9 \cdot \sqrt 2 \cdot \pi \cdot d}}{U} \cdot \sqrt {\frac{{{{\eta} ^3} \cdot {v}^3}}{{\rho' \cdot g}}} \quad(3)\end{eqnarray}\]

Zeige durch eine Einheitenrechnung, dass Gleichung \((3)\) für die Ladung \(q\) die korrekte Einheit ergibt.

Lösung

\[\begin{eqnarray}\left[ q \right] &=& \frac{{\left[ d \right]}}{{\left[ U \right]}}\sqrt {\frac{{{{\left[ \eta \right]}^3} \cdot {{\left[ {{v}} \right]}^3}}}{{\left[ {{\rho'}} \right] \cdot \left[ g \right]}}} = \frac{{\rm{m}}}{{\rm{V}}}\sqrt {\frac{{{{\left( {\frac{{{\rm{Ns}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}}} \right)}^3} \cdot {{\left( {\frac{{\rm{m}}}{{\rm{s}}}} \right)}^3}}}{{\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}} \cdot \frac{{\rm{m}}}{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}}}}} = \frac{{\rm{m}}}{{\frac{{\rm{J}}}{{\rm{C}}}}}\sqrt {\frac{{\frac{{{{\rm{N}}^3}{{\rm{s}}^3}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{6}}}}} \cdot \frac{{{{\rm{m}}^3}}}{{{{\rm{s}}^3}}}}}{{\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}} \cdot \frac{{\rm{m}}}{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}}}}} \\ &=& \frac{{{\rm{C}} \cdot {\rm{m}}}}{{\rm{J}}}\sqrt {\frac{{{{\rm{N}}^3}{{\rm{s}}^3}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{6}}}}} \cdot \frac{{{{\rm{m}}^3}}}{{{{\rm{s}}^3}}} \cdot \frac{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}{{{\rm{kg}}}} \cdot \frac{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}}{{\rm{m}}}} = \frac{{{\rm{C}} \cdot {\rm{m}}}}{{\rm{J}}}\sqrt {\frac{{{{\rm{N}}^3}}}{{{\rm{kg}}}} \cdot \frac{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}}{{\rm{m}}}} = \frac{{{\rm{C}} \cdot {\rm{m}} \cdot {\rm{N}}}}{{{\rm{N}} \cdot {\rm{m}}}}\sqrt {\frac{{\rm{N}}}{{{\rm{kg}}}} \cdot \frac{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}}{{\rm{m}}}} = {\rm{C}}\end{eqnarray}\]

Durchführung

Aufgabe

Sprühe Öltröpfchen in die Versuchsapparatur und konzentriere dich auf ein einzelnes Öltröpfchen.

Schalte die Kondensatorspannung \(U\) ein und regele diese so weit hoch, dass das ausgewählte Öltröpfchen exakt auf einem Skalenstrich ruht.

Aktiviere die Stoppuhr.

Schalte die Spannung aus. Das Öltröpfchen bewegt sich im Mikroskop nach oben und die Stoppuhr startet.

Stoppe die Stoppuhr manuell, wenn das Öltröpfchen eine bestimmt Anzahl (z.B. \(20\)) von Skalenteilen zurückgelegt hat.

Notiere die Werte von Spannung \(U\), Anzahl \(n\) und Zeit \(t\).

Führe den Versuch mehrmals mit verschiedenen Öltröpfchen durch. Notiere die jeweiligen Messwerte in der folgenden Tabelle.

\(N\) \(U\;{\rm{in}}\;{\rm{V}}\) \(n\) \(t\;{\rm{in}}\;{\rm{s}}\) \(v\;{\rm{in}}\;\frac{{\rm{m}}}{{\rm{s}}}\) \(q\;{\rm{in}}\;{\rm{As}}\) \(r\;{\rm{in}}\;{\rm{m}}\) \(r_{{\rm{korrigiert}}}\;{\rm{in}}\;{\rm{m}}\) \({q_{{\rm{korrigiert}}}}\;{\rm{in}}\;{\rm{As}}\)
\(1\) ... ... ... ... ... ... ... ...
\(2\) ... ... ... ... ... ... ... ...

Lösung

\(N\) \(U\;{\rm{in}}\;{\rm{V}}\) \(n\) \(t\;{\rm{in}}\;{\rm{s}}\) \(v\;{\rm{in}}\;\frac{{\rm{m}}}{{\rm{s}}}\) \(q\;{\rm{in}}\;{\rm{As}}\) \(r\;{\rm{in}}\;{\rm{m}}\) \(r_{{\rm{korrigiert}}}\;{\rm{in}}\;{\rm{m}}\) \({q_{{\rm{korrigiert}}}}\;{\rm{in}}\;{\rm{As}}\)
\(1\) \(168\) \(20\) \(36{,}0\) ... ... ... ... ...
\(2\) ... ... ... ... ... ... ... ...
Kondensatorspannung
UK
Stoppuhr
Die Uhr startet nach dem Aktivieren
beim Ausschalten der Spannung
und muss dann manuell gestoppt werden.
HTML5-Canvas nicht unterstützt!
Abb. 8 Bestimmung der Elementarladung nach der Schwebe-Fall-Methode

Hinweis: Die Simulation arbeitet mit den Parametern \(d = 6{,}00 \cdot {10^{ - 3}}\,{\rm{m}}\), \(s = 5{,}33 \cdot {10^{ - 5}}\,{\rm{m}}\), \({\rho _{{\rm{Öl}}}} = 875{,}3\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}\), \({\rho _{{\rm{Luft}}}} = 1{,}29\,\frac{{{\rm{kg}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{3}}}}}\), \(\eta  = 1{,}81 \cdot {10^{ - 5}}\,\frac{{{\rm{N}} \cdot {\rm{s}}}}{{{{\rm{m}}^{\rm{2}}}}}\), \(g = 9{,}81\,\frac{{\rm{m}}}{{{{\rm{s}}^{\rm{2}}}}}\) sowie dem Wert \(A = 6{,}25 \cdot {10^{ - 8}}\,{\rm{m}}\) für die CUNNINGHAM-Korrektur. Ist die Kondensatorspannung \(U\) positiv, so ist die (in der Realität obere, im Mikroskop untere) Platte des Kondensators positiv geladen.

Auswertung

Hinweis: Bei der Auswertung der Messwerte kann dir eine Tabellenkalkulation gute Dienste leisten. Ein passendes Tabellenblatt kannst du leicht selbst anfertigen. Ein vorgefertigtes Tabellenblatt im .xls-Format findest du hier.

Aufgabe

Berechne für alle Einzelmessungen durch \(v = \frac{{n \cdot s}}{t}\) die Geschwindigkeit \(v\) sowie wie in Gleichung \((3)\) angegeben die Ladung \(q\). Er sollte in der Größenordnung von \({10^{ - 19}}{\rm{As}}\) liegen. Berechne anschließend wie in den Gleichungen \((2.1)\), \((4)\) und \((5)\) angegeben den Tröpfchenradius \(r\), den korrigierten Tröpfchenradius \(r_{{\rm{korrigiert}}}\) und schließlich die korrigierte Ladung \(q_{{\rm{korrigiert}}}\).

Lösung

\(N\) \(U\;{\rm{in}}\;{\rm{V}}\) \(n\) \(t\;{\rm{in}}\;{\rm{s}}\) \(v\;{\rm{in}}\;\frac{{\rm{m}}}{{\rm{s}}}\) \(q\;{\rm{in}}\;{\rm{As}}\) \(r\;{\rm{in}}\;{\rm{m}}\) \(r_{{\rm{korrigiert}}}\;{\rm{in}}\;{\rm{m}}\) \({q_{{\rm{korrigiert}}}}\;{\rm{in}}\;{\rm{As}}\)
\(1\) \(168\) \(20\) \(36{,}0\) \(2{,}96 \cdot 10^{-5}\) \(1{,}92 \cdot 10^{-19}\) \(5{,}31 \cdot 10^{-7}\) \(5{,}00 \cdot 10^{-7}\) \(1{,}61 \cdot 10^{-19}\)
\(2\) ... ... ... ... ... ... ... ...

Erstelle ein Diagramm, in dem du auf der horizontalen Achse die Versuchsnummer \(N\) und auf der vertikalen Achse jeweils die berechnete korrigierte Ladung \(q_{{\rm{korrigiert}}}\) aufträgst.

Lösung

millikan-versuch-auswertung-diagramm-0.svg
Abb. 9 Diagramm mit der Darstellung der Messergebnisse

Interpretiere das Diagramm.

Lösung

Die Interpretation des Diagramms und damit das Versuchsergebnis findest du hier.