Ph 11

Simulation

Methode der kleinen Schritte

Einführung am Beispiel der konstant beschleunigten, geradlinigen Bewegung

Einführung:
Für eine konstant beschleunigte, geradlinige Bewegung mit Anfangsgeschwindigkeit und Anfangsort haben wir nach einer Reihe nicht ganz einfacher Überlegungen die Beziehung:

als Lösung erarbeitet. Als Graphen ergaben sich im t-x-Diagramm eine Parabel und im t-v-Diagramm eine Gerade.

Steht ein Rechner zur Verfügung, so kann man mit sehr einfachen Überlegungen schrittweise den t-x-Graphen ermitteln. Man nennt diese Vorgehensweise die Methode der kleinen Schritte (Euler-Verfahren). Diese Methode hat den Vorteil, dass man sie auch auf kompliziertere Bewegungsvorgänge anwenden kann, für die wir in der 11. Klasse sonst keine Lösung finden würden.

 

Die Grundideen beim Euler-Verfahren:

Somit gilt:

Zusammengefasst führt dies zu dem folgenden Algorithmus:

tneu = talt + Δt

Wiederholt man diese Schritte bei nicht zu großem Δt, so kann die wahre t-x-Kurve durch die "Euler-Kurve" recht gut angenähert werden, wie das Excel-Tabellenblatt - Euler-Beschl1 mit graphischer Auswertung zeigt.

t in s

a in m/s2

v(t) in m/s

x(t) in m

t0 = 0

a(0) = a

v(0) = v0

x(0) = x0

t1 = t0 + Δt

a1 = a

v1 = v0 + a·Δt

x1 = x0 + v0·Δt

t2 = t1 + Δt

a2 = a

v2 = v1 + a·Δt

x2 = x1 + v1·Δt

Wie die Annäherung an die "wahre Kurve" durch das Euler-Verfahren erfolgt, wird in den folgenden Skizzen verdeutlicht:

Man sieht an den Graphen im Tabellenblatt, dass die "Euler-Kurve" unter der "wahren Kurve" liegt. Dies ist auch verständlich, da für das ganze Intervall mit einem festen (zu niedrigen) Geschwindigkeitswert gerechnet wird, obwohl bei der beschleunigten Bewegung die Geschwindigkeit im Intervall zunimmt.

 

Variante des obigen Euler-Verfahrens:
Man benutzt für die Berechnung des neuen Ortes xneu nicht die alte Geschwindigkeit valt , sondern bereits die neue Geschwindigkeit vneu. Dies führt zu dem folgenden Algorithmus:

tneu = talt + Δt

Wie das folgende Excel-Tabellenblatt - Euler-Beschl2 zeigt, liegt jetzt die "Euler-Kurve" über der "wahren Kurve".

 

Hinweise zum Aufbau der Tabellenkalkulation:

Benennung
Es hat sich bewährt, die Zellen in denen Anfangswerte stehen sinnvoll zu benennen (so wurde z.B. in dem Excel-Tabellenblatt die Zelle B6 mit x bezeichnet). Hierzu löscht man bei Excel z.B. die Zellenbezeichnung B6 im Namensfeld (links oben), gibt die neue Bezeichnung z.B. x ein und schließt den Vorgang mit "RETURN" ab. Die Benennung hat den Vorteil, dass die Formeln in den Zellen leichter nachvollziehbar werden.

Auflistung der Anfangswerte
Es ist sinnvoll die Anfangswerte außerhalb der Tabelle festzulegen (gelbes Feld im Tabellenblatt). Man kann dann sehr bequem und überschaubar Änderungen vornehmen.

Darstellung des Algorithmus
Will man schnell erfahren, wie die Tabellenkalkulation aufgebaut ist, so tut eine Kurzdarstellung des Algorithmus (grünes Feld) gute Dienste.

Das Halbschritt-Verfahren:
Wie Sie bei den beiden dargestellten Euler-Verfahren gesehen haben, weicht die "Euler-Kurve" immer etwas von der "wahren Kurve" ab.
Man kann die Abweichung verringern, wenn man für die Berechnung des neuen Ortes xneu nicht die Anfangs- oder Endgeschwindigkeit im Intervall verwendet, sondern die Geschwindigkeit in der Intervallmitte.

Berechnung der Geschwindigkeit valt‘ in der Mitte des ersten Intervalls:

Für den Algorithmus des Halbschrittverfahrens gilt dann:

tneu = talt + Δt

Wie Sie dem Excel-Tabellenblatt - Halbschritt entnehmen können, stimmen "wahre Kurve" und "Halbschritt-Kurve" recht gut überein.

Graphische Erläuterung: