Ph 07

Ausblick

Frühe Nachrichtenübertragung

oder: Was kann Elektrolyse mit Nachrichtenübertragung zu tun haben?

Wenn wir heute jemand in größerer Entfernung etwas mitteilen wollen, greifen wir zum Handy oder versenden ein e-mail. Wir sind es gewohnt über den Radio, das Fernsehen oder das Internet über Ereignisse von jedem Ort der Erde informiert zu werden. Die Nachrichtenübertragung hat heute einen nahezu perfekten Stand erreicht: große Entfernungen oder andere Einflussfaktoren wie z.B. schlechtes Wetter sind kein Hinderungsgrund mehr, dass Nachrichten nicht beim Empfänger ankommen.

Früher überbrachten Boten die Nachrichten. Wohl am bekanntesten ist wohl wie die Stadt Athen vom Sieg ihres Heeres über die Perser bei Marathon (409 v. Chr.) erfuhr: Ein Bote lief die ca. 40 km lange Strecke von Marathon bis Athen um den glorreichen Sieg des Miltiades zu verkünden und brach dann tot zusammen.

 

Frühe optische Nachrichtenübermittlung

  • Feuertelegraph
    Im Drama "Agamemnon" berichtet Aischylos (525 - 456 v. Chr.) über die sogenannte Feuertelegrafie mit deren Hilfe der Fall Trojas nach Mykene übermittelt worden sei. Auf hohen Bergen wurden nachts große Feuer angezündet und auf diese Weise Signale übermittelt. Wahrscheinlich geht die Redewendung: "Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer" auf diese oder eine ähnliche Art der Nachrichtenübertragung zurück.
  • Heliograph
    Ebenfalls auf die Griechen der Antike geht der sogenannte Heliograph zurück. Mit Hilfe polierter Schilder und dem Sonnenlicht wurden Lichtblitze erzeugt, die als Signale in Schlachten verwendet wurden.
    Später hat Kaiser Tiberius mittels Heliographen von seiner Villa auf Capri täglich Befehle an das Festland gesendet, die dann nach Rom weitergegeben wurden.

 



 

  • Zeigertelegraph der Gebrüder Chappe
    Am Ende des 18. Jahrhunderts entwickelten die Gebrüder Chappe in Frankreich zwischen Paris und Lille eine Strecke zur optischen Übermittlung von Nachrichten, die 22 Zwischenstationen benötigte. Eine Station bestand aus einem Turm, dem ein großer "Zeiger" aufgesetzt war. Im unteren Teil der nebenstehenden Skizze ist ein Auszug des Codes dargestellt. Mit diesen Anlagen, die sich bald über ganz Frankreich erstreckten, gelang in wenigen Minuten die Benachrichtigung über wichtige Ereignisse.
    Ein Teil der militärischen Erfolge Napoleons wird darauf zurückgeführt, dass ihm mit den Zeigertelegraphen eine sehr schnelle Weiterleitung der Befehle gelang.


Die optische Nachrichtenübermittlung hatte mehrere Nachteile. So war sie auf gutes Wetter angewiesen, die Weiterleitung der Information war von der Aufmerksamkeit und der Präsenz der Streckenposten abhängig und gerade bei den frühen Systemen war die Übermittlung differenzierter Informationen nicht möglich.


Elektrische Nachrichtenübermittlung

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bekam Samuel Sömmering (Anatom in München) vom bayerischen Kriegsministerium den Auftrag auch in Bayern einen optischen Telegraphen einzurichten. Angesichts der Nachteile der optischen Telegraphen versuchte Sömmering jedoch die inzwischen zur Verfügung stehenden Errungenschaften der Elektrizität zu nutzen und schlug einen sogenannten galvanischen Telegraphen vor.


Samuel Thomas Sömmerring (1755-1830)

Vom Sender gingen 24 Drähte zum Empfänger (für jeden Buchstaben einer). Sollte z.B. der Buchstabe C übermittelt werden, so schloss man die Volta-Säule (Spannungsquelle) an den dafür zugeordneten Draht an. Aufgrund des Stromflusses stiegen im Wasserkasten beim Empfänger an dem Stift für den Buchstaben C Gasblasen auf (elektrolytische Zersetzung).

Um den Empfänger darauf hinzuweisen, dass eine Nachricht kam, sorgte man zunächst dafür, dass beim Empfänger an den Stiften für die Buchstaben C und B Gasblasen auftraten. Dadurch wurde der Löffel im Wasser hochgehoben und eine am anderen Ende des Löffels aufgestecktes Bleikügelchen fiel durch den Trichter auf eine Schale des Weckers D und löst ihn aus.


Bild vom Empfänger aus dem Deutschen Museum in München


Schema der Sömmering - Anlage