Sicher hast du schon einmal auf einer Pfütze einen dünnen Ölfilm beobachtet, der - bei schräger Draufsicht - in allen Farben schimmert. Der Grund für die manchmal sehr eindrucksvolle Farberscheinung wird dir erst in der Oberstufe näher erläutert. Voraussetzung für die Entstehung des Farbeindrucks ist es, dass der Ölfilm auf dem Wasser sehr dünn ist. Wie dir im Folgenden gezeigt wird, kann man über die Ausbildung extrem dünner Ölschichten auf dem Wasser die Größenordnung des Atomdurchmessers abschätzen.

Um das Grundprinzip des Versuchs besser zu verstehen, betrachten wir zunächst nicht Moleküle, sondern Erbsen. Wir wollen versuchen, den durchschnittlichen Durchmesser der Erbsen zu bestimmen. Dazu gehen wir folgendermaßen vor:

Zuerst schütten wir in einen zylinderförmigen Becher mit bekanntem Grundflächeninhalt \(A\) gerade so viele Erbsen, dass sich eine einlagige Schicht bildet.

Dann füllen wir die Erbsen aus dem Becher in einen Messzylinder und ermittelt so das Volumen \(V\) der Erbsen.

Wegen \(V = A \cdot h \Leftrightarrow h = \frac{V}{A}\) lässt sich nun die Höhe der Erbsenschicht im Becher und - da die Schicht nur aus einer Lage Erbsen bestand - der durchschnittliche Durchmesser der Erbsen bestimmen.

Beim Ölfleckversuch geht man analog, lediglich in einer anderen Reihenfolge vor:

Zuerst lässt man einen Tropfen eines Ölsäure-Leichtbenzin-Gemisches mit bekanntem Volumen \(V\) mittels einer Tropfbürette auf eine ruhige ebene Wasseroberfläche auftropfen, die vorher mit Lykopodium (Bärlappsporen) bestreut war. Der Tropfen der Mischung breitet sich kreisförmig aus, der dünne Film ist aber aus mikroskopischer Sicht ein Zylinder.

Nach dem Verdampfen des Leichtbenzins verringert sich der Kreisdurchmesser auf den Wert \(d\), aus dem man leicht mittels \(A = \pi  \cdot {\left( {\frac{d}{2}} \right)^2}\) den Flächeninhalt \(A\) bestimmen kann. Wenn man nun davon ausgeht, dass sich auf dem Wasser eine einmolekulare Schicht von Ölsäuremolekülen ausgebildet hat, kann man - ähnlich wie bei den Erbsen - den Durchmesser eines Moleküls durch \(h = \frac{V}{A}\) abschätzen.

 

Aufgabe

a)

Beobachte die Anzahl \(N\) der Tropfen des Ölsäure-Leichtbenzins, die in der nebenstehenden Animation in das kleine Schälchen tropfen, und deren Volumen \(V_{\rm{N}}\). Berechne mit diesen Werten das Volumen \(V\) eines Tropfens.

b)

Berechne das Volumen \(V_{\rm{Ölsäure}}\) des nach der Verdunstung des Leichtbenzins zurückbleibenden Ölsäureflecks, wenn das Ölsäure-Leichtbenzin-Gemisch ein Volumenverhältnis \(\frac{{{V_{{\rm{Ölsäure}}}}}}{{{V_{{\rm{Leichtbenzin}}}}}} = \frac{1}{{2000}}\) besitzt.

c)

Entnimm der Animation den Durchmesser \(d\) des Ölflecks. Berechne damit den Flächeninhalt \(A\) des Ölflecks und daraus seine Dicke \(h\).

d)

Bestimme unter der vereinfachenden Annahme, dass das Volumen des Ölsäuremoleküls (chemische Formel: C17H33COOH, d.h. ein Ölsäuremolekül besteht aus 54 Atomen) würfelförmig ist und aus lauter kleinen gleichgroßen würfelförmigen Atomen zusammengesetzt ist, näherungsweise den Durchmesser eines Atoms.

e)

Lässt man bei obigem Versuch nicht nur einen sondern zwei Tropfen auf die Wasseroberfläche fallen, so bildet sich ein kreisförmiger Ölfleck mit dem Durchmesser von ca. \(23,0{\rm{cm}}\). Erläutere, inwiefern dieses Versuchsergebnis die Annahme einer monomolekularen Ölsäureschicht stützt.

Ölfleckversuch als Schülerexperiment
Zeit:

45 Minuten

Geräte:

Rundschale aus Plexiglas,
mit Leichtbenzin verdünnte Ölsäure (C17H33COOH)

Grundlage des Versuchs:

Genaue Untersuchungen haben ergeben:
Bringt man eine sehr kleine Menge Ölsäure auf eine Wasseroberfläche, so breitet sie sich zu einer einmolekularen Schicht aus. Die Dicke des Flecks ist dann gleich der "Höhe" eines Ölsäuremoleküls.

Vorversuch
Ölsäurevolumen:
  • Bestimmung, wie viele Tropfen aus der Tropfbürette fallen, wenn deren Flüssigkeitspegel genau um einen cm³ sinkt. Genau mitzählen:

    N = . . . . . .
     
  • Daraus ergibt sich das Volumen eines Tropfens zu

    VT = 1 cm³ : N;   VT = . . . . . cm³
     
  • Aus dem Mischungsverhältnis Ölsäure zu Leichtbenzin: 1 : . . . . . .(laut Aufschrift der Flasche) ist der Ölsäureanteil in einem Tropfen des Gemisches:

    VÖl = VT : . . . . .= . . . . . cm³
Versuchsdurchführung:
  • Fülle die Schale etwa zur Hälfte mit Wasser.
  • Stäube etwas Bärlappsporen (Lykopodium) über die Wasseroberfläche (keine Klumpenbildung!)
  • Lasse genau einen Tropfen des Benzin-Ölgemisches auf die bestäubte Wasserfläche fallen.
    Das feine Pulver wird vom Öl verdrängt und nach dem Verdunsten des Benzins bleibt ein kreisförmiger, durch die Bärlappsporen begrenzter Ölfleck.
  • Miss mit einem Lineal oder GEO-Dreieck den Durchmesser des Kreises.
    Falls der Fleck keine ordentliche Kreisform hat, nimm einen Mittelwert für den Durchmesser d:
    Messung:

    d = . . . . . cm → Kreisradius r = . . . . . cm = . . . . . m
Auswertung:  
Dicke h des Ölflecks:

In erster Näherung gilt, dass der Öltropfen vom Volumen VÖl nun auf der Wasseroberfläche zylindrische Form vom Grundkreisradius r und der Höhe h hat, also gilt:

V= R2·π·h → h =. . . . . . .            Zahlenwert: h = . . . . . . .

Volumen eines Ölsäuremoleküls
  • Wie groß ist das Molekülvolumen, wenn man vereinfachend annnimt, dass es würfelförmig mit der Kantenlänge h sei:

    VMolekül = . . . . . . . . . . . . . . . . . .

 

  • Wie viele Moleküle der Ölsäure enthält der Ölfleck? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Berechnung des Atomdurchmessers:
  • Ein Ölsäuremolekül besteht aus . . . . . . . . Atomen.
  • Welcher Rauminhalt trifft durchschnittlich auf ein Atom des Ölsäuremoleküls?
    Nimm Würfelform für das Atom an und berechne den Durchmesser des Atoms aus seinem Rauminhalt:

    . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .