Wie man lernt

Lernen ist eine sehr individuelle Angelegenheit jedes Einzelnen.

Es gibt jedoch einige übergreifende Grundsätze:

  1. Lernen geht leichter, wenn man sich für etwas interessiert.
  2. Lernen ist ein immerwährendes Zusammenspiel zwischen Informationsaufnahme, Informationsverarbeitung, Informationsspeicherung und Vergessen dieser Information. So wie der Sportler trainiert um die den Muskel steuernden Systeme effektiv einzusetzen, muss auch der geistig Arbeitende laufend sein Gehirn trainieren. Die biologischen Grundstrukturen für effektive geistige und körperliche Arbeit sind ähnlich.
  3. Lernen beinhaltet drei wesentliche Bereiche:
    1. Lernen reiner Fakten (wie Namen, Zahlen, Begriffe), also Ansammeln von Wissen.
    2. Lernen von Strukturen, Zusammenhängen und Lösungsstrategien, also Können.
    3. Lernen etwas darzustellen, einen Dialog zu führen und Sachverhalte kritisch zu prüfen , also Fähigkeiten,.
In vielen Fächern genügt zu einer guten oder mittleren Note bereits das Ansammeln, Merken und Wiedergeben reinen Wissens, die Lernbereiche b) und c) gehen oft nur mit wesentlich geringerem Anteil in die Note ein. Fragen wie "Nenne die Namen aller Bundespräsidenten der Bundesrepublik seit ihrem Bestehen und deren Parteizugehörigkeit" gehören zu dieser Kategorie.
Die Kernfächer des Gymnasiums, das sind die Sprachen, Mathematik und Physik, haben in besonderem Maße die Aufgabe die Lernbereiche b) und c) zu entwickeln. Deshalb muss für diese Fächer auch ein anderes Lernmuster angelegt werden.
Ist es bei einigen Fächern für die Note gut, wenn man kurz vor der Stunde oder am Tag vor der Prüfung noch schnell das gesamte Schulheft oder Buch durchliest, so ist dies für eine gute Note in Physik insbesondere bei einer höheren Jahrgangsstufe eher kontraproduktiv. Um Zusammenhänge und Lösungsstrategien zu verstehen und sicher anwenden zu können, muss das Gehirn etwas komplexere mehrfach getestete Strukturen aufgebaut haben. Wurde durch Anlesen weniger Aufgaben, ohne deren Variantenreichtum auszuloten, im Gehirn ein in sich wenig vernetztes Stückwerk geschaffen, so wird der Schüler bei der geringsten Abweichung vom bisher begangenen Weg abstürzen und sich nicht helfen können.

Konkret bedeutet dies für Schüler und Schülerinnen, die Erfolg im Fach Physik haben wollen:

  1. Prüfe nach jeder Unterrichtsstunde oder jedem durchgenommenen Kapitel durch Lösen von Aufgaben, ob du in der Lage bist, den Stoffinhalt anzuwenden. Dabei wirst du Erfolge, Teilerfolge und Misserfolge haben.
  2. Wenn Du eine Aufgabe nicht zu deiner Zufriedenheit lösen kannst, stehen dir mehrere Möglichkeiten offen:
    1. Versuche zuerst eine leichtere Aufgabe, sie wird dir bewusst oder unbewusst Hilfen für die schwereren Aufgaben liefern.
    2. Betrachte die Lösungen der im Unterricht oder hier beigefügten Musteraufgaben und versuche den auf deine Aufgabe passenden Lösungsweg anzuwenden.
    3. Bilde eine Arbeitsgemeinschaft mit Mitschülern und diskutiere die anstehende Probleme. Oft wird ein Problem allein durch das Verbalisieren desselben bereits gelöst.
    4. Frage deinen Lehrer bzw. deine Lehrerin zu dem konkreten Problem.
  3. Löse die gestellten Aufgaben rechtzeitig vor der nächsten Unterrichtsstunde. Nur wer seine Hausaufgaben gemacht hat und den Stoff der Stunde hinterfragt, profitiert von der folgenden Unterrichtsstunde optimal und kann mit den vom Lehrer gegebenen fachlichen Anmerkungen etwas anfangen.

Merke:
Der Lernerfolg beim "Selber Machen" ist doppelt so groß wie beim "Zuschauen oder Zuhören".

Für ausführliche Information zum Thema "Lernen lernen" unter http://www.pohlw.de/lernen/index.htm